Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Grundeinkommen

  Prof. Christian Juckenack
Es gibt ein Gerechtigkeitsdefizit. In Deutschland gaben zwei Drittel der Befragten vor einem Jahr bei einer Umfrage an. Als Gegenmittel warb Prof. Christian Juckenack in der Hamburger Christianskirche auf einer KDA-Veranstaltung im November 2007 für das solidarische Bürgergeld (Foto). Er ist Staatssekretär in der thüringischen Landesregierung unter Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) und Botschafter in Sachen Neubau von Arbeitsgesellschaft und Sozialstaat.

Die Vorträge dieser Veranstaltung zum Nachlesen.

Laut Juckenack müssen alle Varianten des Grundeinkommens neben dem Bürgergeld gibt es noch eine Reihe ähnlicher Konzepte die Frage beantworten, ob sie eher als Trampolin oder als Sofa wirken. Für ihn ist die Antwort eindeutig: Das Solidarische Bürgergeld ist ein Trampolin zum Mitmachen, kein bequemes Sofa zum Faulenzen. 800 Euro abzüglich 200 Euro Gesundheitsversicherung nimmt allenfalls die Existenzsorgen und motiviert, sich nützlich zu machen.
Was eine solche Entkoppelung von Einkommen und Erwerbsarbeit koste und woher das Geld komme, war schnell erklärt: das jetzige Sozialbudget ist so hoch, davon könne ein Grundeinkommen bezahlt werden. Mit anderen Worten: das Grundeinkommen ersetzt Sozialversicherungen, Förder- und Fürsorgeleistungen usw. Wie zur Beruhigung hing der Taufengel der Christianskirche über der Leinwand, auf der Juckenack seine professionellen Diagramme präsentierte.

Wie reagieren die Menschen, wenn sie ein Grundeinkommen erhalten würden? Die Antwort hängt ganz entscheidend vom jeweiligen Menschenbild ab. Das wurde in der theologischen Bewertung von Bischof Dr. Hans Christian Knuth deutlich. Er identifizierte eine Reihe von Beispielen, mit denen die Menschen längst beweisen, dass sie mit der Trennung von Arbeit und Einkommen umgehen können: die vielen Ehrenamtlichen z.B. machen das vor. Auch Beamte bekommen nach seinen Worten eine Art Grundeinkommen: Sie werden bezahlt, egal wie viel sie arbeiten. Auch Renten und Pensionen seien ein Transfer dieser Kategorie. Übrigens gäbe es auch längst andere Formen leistungsunabhängiger Einkommen z.B. aus Bodenbesitz und Zinsen.
Zur Erläuterung seines Menschenbildes führte der Bischof aus, dass der Mensch sozial sei, er will arbeiten und zugleich flieht er aber auch die Arbeit. Und weiter: Wir sind nicht alle Engel, aber wir dürfen uns nicht so behandeln, als wenn wir Teufel wären. Für Knuth führt das Grundeinkommen nicht zu Hängematten-Existenzen, denn Arbeit dient der Selbstverwirklichung. Außerdem zählt Leistung nicht in der Beziehung zu Gott, betonte der lutherische Theologe. Die Gesellschaft sollte eher für eine Begrenzung der Arbeit, also für Sabbatheiligung und Ruhephasen stark machen. Die Befürworter eines Grundeinkommens mahnte Knuth, dass damit die ungerechte Verteilung des Reichtums noch nicht beseitigt sei.

Diesen beiden grundsätzlichen und sehr positiven Beiträgen folgte eine Reihe Kurzvorträge, die auch die problematischen Seiten eines solchen Umbaus des Sozialstaats beleuchteten: aus Sicht der Gewerkschaften, der Arbeitgeber, der Diakonie und den Parteien. Karsten Groth vom Zentrum für psychosoziale Medizin mahnte eindringlich, die Menschen nicht zu vergessen, die Förderung benötigen. Er befürchte die drohende Verwahrlosung abgehängter Bevölkerungsgruppen, wenn der Staat mit der bedingungslosen Alimentierung alle weitere Verantwortung abgebe.

Das Symposium zeigte die Brisanz dieser Vision, den utopischen Überschuss, wie ein Redner es ausdrückte. Die engagierte Debatte über das Menschenbild, das unserem Sozialsystem zugrunde liegt, sei ein großer Verdienst der Idee eines Grundeinkommens, sagte Pastor Björn Kranefuß vom KDA. Er plant den Strauß der Stellungnahmen zu veröffentlichen, damit diese wichtige Diskussion weiter geht.

Die Vorträge zum Nachlesen

Vortrag "Das Solidarische Bürgergeld"

Vortrag "Das Solidarische Bürgergeld"

Dieter Althaus, Thüringer Ministerpräsident
Prof. Dr. Christian Juckenack,  Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit und Mitglied der Projektgruppe „Solidarisches Bürgergeld“ im Freistaat Thüringen


Das Grundeinkommen in theologischer Sicht

Das Grundeinkommen in theologischer Sicht

Referat von Bischof Dr. Knuth am 8. November 2007 auf einer Tagung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) in Hamburg
Bischof Dr. Hans Christian Knuth, Vorsitzender der
Kirchenleitung der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche


Grundeinkommensmodelle im Vergleich

Grundeinkommensmodelle im Vergleich

Vortrag von Tim Bendixen, Christianskirche Hamburg Ottensen, 8. November 2007

Tim Bendixen, Stiftung Wertevolle Zukunft



Statements
Auswirkungen des Grundeinkommens

Wolfgang Rose, Landesbezirksleiter Ver.di Hamburg


Statement zum Thema "Grundeinkommen" von Cord Wöhlke

Statement „Bedingungsloses Grundeinkommen“ Cord Wöhlke, Geschäftsführer BUDNIKOWSKY

8.11.2007, Christianskirche in Hamburg-Ottensen
Cord Wöhlke, Geschäftsführer Iwan Budnikowsky GmbH & Co. KG


Statement zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" von Gudrun Köncke

Bedingungsloses Grundeinkommen / bedarfsorientierte soziale Grundsicherung

Statement von Gudrun Köncke, MdBü, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik GAL
Gudrun Köncke MdBü, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik GAL


Gesine Dräger MdBü Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD Fraktion


Statement „Bedingungsloses Grundeinkommen“ von Dr. Sunniva Engelbrecht

Statement „Bedingungsloses Grundeinkommen“

Dr. Sunniva Engelbrecht • Projekt Wellcome e.V.
Dr. Sunniva Engelbrecht, Projekt Wellcome e.V.


Auswirkungen des Grundeinkommens auf psychisch Erkrankte

Auswirkungen des Grundeinkommens auf psychisch erkrankte und behinderte Menschen

von Karsten Groth
Statement bei der Veranstaltung "Das Grundeinkommen – eine plausible Antwort auf Probleme der Gegenwart?", Christianskirche Hamburg-Ottensen / 08. Nov. 2007

Karsten Groth, UKE Hamburg, Zentrum für psychosoziale Medizin


Statement zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" von Dirk Hauer

Bedingungsloses Grundeinkommen: pragmatische und utopische Aspekte

Statement von Dirk Hauer bei der KdA-Veranstaltung „Grundeinkommen – eine plausible Antwort auf Probleme der Gegenwart?“, 8.11.2007
Dr. Dirk Hauer, Diakonisches Werk Hamburg, Fachbereich Migration und Existenzsicherung


Statement zum Thema "Grundeinkommen" von Hans-Günter Trepte

Positionen von Hans-Günter Trepte, Geschäftsführer Bildung und Arbeitsmarkt von NORDMETALL

„Das Grundeinkommen – eine plausible Antwort auf Probleme der Gegenwart“ Veranstaltung am 8. November 2007 in der Christianskirche in Hamburg-Ottensen

Hans-Günter Trepte, Geschäftsführer Bildung und Arbeitsmarkt von NORDMETALL, Verband der Metall- und Elektroindustrie e.V.


Das Grundeinkommen und die neue Wertschätzung der Arbeit

Das Grundeinkommen und die neue Wertschätzung der Arbeit

Statement von Sven-Prien-Ribcke, Sprecher des Hamburger Netzwerks Grundeinkommen, auf dem Symposium „Das Grundeinkommen – eine plausible Antwort auf Probleme der Gegenwart?“ am 8.11.2007 in der Christianskirche Hamburg-Ottensen.
Sven Prien-Ripcke, Sprecher des Hamburger Netzwerks Grundeinkommen


Eine protestantische Perspektive zum Grundeinkommen

Eine protestantische Perspektive zum Grundeinkommen

Statement von Jörg Herrmann
Dr. PD Joerg Herrmann, Kulturdialoge St. an Trinitatis Altona


Veranstaltung zum Thema "Grundeinkommen"

Das Grundeinkommen – eine plausible Antwort auf Probleme der Gegenwart?

Christianskirche Hamburg-Ottensen, 8. November 2007

Einladung zur Veranstaltung November 2007

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