Im Mittelpunkt des Gottesdienstes zum „Tag der Arbeit“ in der Flensburger St.Nikolai-Kirche stand das neutestamentliche Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Matthäus 20). Gelesen und kommentiert wurde die biblische Geschichte von Helmut Hartmann, Regionsvorsitzende des DGB Nord. Pastor. Thomas Bornemann nahm die Impulse des Gewerkschafters in seiner Predigt auf. - Bei der anschließenden Kundgebung des DGB auf dem Südermarkt sprach die Flensburger Pröpstin Carmen Rahlf ein Grußwort."Gute Arbeit muß drin sein"

Unser Foto zeigt Helmut Hartmann Regionsvorsitzender DGB-Nord, Nikolai-Pastor Thomas Bornemann und Pröpstin Carmen Rahlf (von links).

Das 1-Mai-Banner des DGB vor der St.Nikolai-Kirche: "Gute Arbeit muss drin sein!"

Pröpstin Carmen Rahlf bei ihrem Grußwort.

DGB-Regionsvorsitzender Helmut Hartmann bei der Begrüßung der Teilnehmer der Kundgebung auf dem Südermarkt. Neben ihm Peter Deutschland, Vorsitzender des DGB-Nord, Katharina Petersen (Beratungsstelle Frau & Beruf) und Pröpstin Carmen Rahlf (von rechts).

Hauptredner der Kundgebung war Peter Deutschland, Vorsitzender des DGB-Nord
Frühschoppen des DGB-Ortsvereins Kappeln
1. Mai 2008, Schleibistro, Kappeln
Rede von Pastor Harald Schrader,
KDA Schleswig/Flensburg
(Auszüge)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, zuerst ein herzliches Dankeschön für die Einladung, im Rahmen dieses traditionellen Frühschoppens am 1.Mai hier bei Ihnen reden zu dürfen. Ich freue mich sehr darüber. Aber das paßt auch, daß ich heute vormittag bei Ihnen bin, und zwar aus zwei guten Gründen. Zum einen begehen wir heute nicht nur der Tag der Arbeit, sondern zugleich Christi Himmelfahrt. Also ein Doppelfeiertag, ein kirchlicher und ein weltlicher Festtag. Zum anderen reicht die Tradition dieses Frühschoppens genau zehn Jahre zurück. Im Frühjahr 1998 erhob sich die gesamte Region gegen die Schließung des Nestlé-Werkes. "Nestlé-Kappeln muß bleiben" - so lautete die Parole damals. Diese eindrucksvolle und schließlich auch erfolgreiche Kampagne habe ich damals miterlebt – als Vertreter des Nordelbischen KDA. Ich erinnere mich gut an verschiedene Aktionen an der Arche. Wie geschockt die Menschen damals waren, zeigte die Äußerung von Peter-Jürgen Wollmann, seit 28 Jahre bei Nestlé: "Du machst morgens die Tür auf und kriegst einen Schlag ins Gesicht, aber weißt nicht warum."
Arbeit schafft Heimat - Heimat braucht Arbeit
Unter dem Eindruck der Kampagne "Nestlé-Kappeln muß bleiben" habe ich zum Tag der Arbeit 1998 einen Gottesdienst mit Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen in Kiel gefeiert. Die Überschrift lautete: "Arbeit schafft Heimat - Heimat braucht Arbeit". Das war gleichsam die Lehre, die ich aus den Gesprächen an der Arche mitgenommen hatte. Wo jemand Arbeit hat und sein Geld verdient, da kann er bleiben, ein Haus bauen und mit seiner Familie wohnen. Wenn viele Arbeit haben, dann geht es den Menschen und der Region gut. Arbeit schafft Heimat. Nun hat sich die Arbeitswelt in atemberaubenden Tempo gewandelt, es gibt neue Berufe und Technologien, traditionelle Berufe verschwinden. Schlagwörter wie lebenslanges Lernen machen die Runde. Das ist in Ordung. Kaum jemandem dürfte es gelingen, mit dem Wissen aus der Berufsausbildung bis zur Rente durchzukommen. Das ist vorbei, wenn es überhaupt je so gewesen sein sollte. Flexibel, also beweglich sein, bereit, sich zu verändern. Das sind die Beschäftigten heute, zumindest in ihrer überwiegenden Mehrheit. Mobil sein. Auch das ist heute für die meisten eine Selbstverständlichkeit. Viele Beschäftigte pendeln Tag für Tag klaglos ein von Kappeln nach Flensburg, Schleswig oder Rendsburg oder auch von Flensburg oder Kiel nach Hamburg. Mobil sein ist, wer wollte das bestreiten, eine Anforderung unseres modernen Wirtschaftslebens. Und doch gibt es Grenzen. Mobilität kann ja nicht bedeuten, daß Menschen um jeden Preis ihre Heimat aufgeben. Ich habe da die Äußerung einer jungen Frau in Erinnerung, die damals – vor zehn Jahren - gerade dabei war, bei Nestlé ihre Ausbildung als Bürokauffrau zu beenden. Sie bekannte: "Ich müßte meine Heimat, Familie, meinen Freundeskreis verlassen, das schaffe ich nicht."
Es gibt eben noch andere, immaterielle Werte neben Beruf und Geldverdienen. Dazu zählt natürlich die Heimatverbundenheit, das biographisch-seelische Verwurzeltsein in einer Region, das Sich-Zuhause-Fühlen, die Geborgenheit in einer Landschaft und der Mentalität ihrer Menschen. Heimat ist da, wo ich hingehöre. Und dann gibt es die engste Bindung, die es überhaupt geben kann: Ehepartner, Kinder, Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde, Nachbarn. Die Zufriedenheit und Lebensfreude ist für jeden Betrieb ein nicht zu überschätzender Standortvorteil. Zufriedene Menschen, die sich in ihrem sozialen Umfeld wohlfühlen, sind auch motivierte und leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Es kann einfach nicht sein, daß die moderne Wirtschaft uns zu einem Volk von Nomaden im eigenen Lande macht, wo es dann üblich wird - solche Bilder kennen wir aus den Vereinigten Staaten - daß eine Familie ihr Holzhaus auf einen Tieflader stellt und dann dorthin zieht, wo es - vermutlich auch nur begrenzt - Arbeit gibt. Wir dürfen kein Volk von Arbeitsnomaden werden. Wir haben eine andere Tradition. Und das ist gut so. Die Arbeit muß auch zu den Menschen kommen. Darum ist richtig: Heimat braucht Arbeit. Anders verhält es sich gewiß bei Menschen, die gezielt an ihrer Karriere arbeiten. Sie müssen bereit sein, ihren Arbeits- und Wohnort häufiger zu wechseln. Aber die Menschen sind unterschiedlich. Viele sind mit dem zufrieden, was sie haben, verzichten gern auf die Karriereleiter, weil es ihnen gut geht in ihren Lebensumständen. Da ist der Vorwurf, immobil, träge oder unflexibel zu sein, ungerecht.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Metropolregionen wie Hamburg üben eine Faszination aus auch auf das Umland. Das ist gut so. Von dort kommen wichtige Impulse und Innovationen. Aber es ist wichtig, daß das Land besiedelt und damit die gewachsene Kultur einer Region erhalten bleibt. Urbanisierung, Verstädterung ist in anderen Teilen der Welt ein bedrückendes Problem. Das Land verödet, die Städte wachsen ins Uferlose. Diese Probleme kennen wir nicht. Doch wir hören, welche gravierenden Entwicklungen etwa dem Land Brandenburg drohen aufgrund des vielzitierten demographischen Wandels: Die Jungen gehen fort, die Alten bleiben. Dörfer und dörfliche Strukturen sterben ab. Darum ist es wichtig, daß Erwerbsarbeit zu den Menschen kommt, gerade in strukturschwache Regionen; das ist nämlich ein probates Mittel, um die Vitalität von gewachsenen Kulturlandschaften zu erhalten.
Mensch und Wirtschaft - wer ist für wen da?
Die Wirtschaft ist für die Menschen da. Diese Aussage trifft sicherlich nach wie vor zu für den Mittelstand, für das Handwerk, für all die kleinen und mittleren Betriebe in der Region. Im Großen sieht es, wie wir alle wissen, ganz anders aus. Da gilt mittlerweile die Umkehrung: Der Mensch ist für die Wirtschaft da. Je größer das Unternehmen, je höher die Renditeorientierung, desto größer die Gefahr, daß die Beschäftigten zum Spielball übergeordneter Interessen werden. Je höher Gewinne und Managergehälter, desto eher werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Straße gesetzt. Die gute soziale Marktwirtschaft der alten Bundesrepublik, der Vorwendezeit, hat sich verändert. Wirtschaft soll im Dienste des Lebens stehen. Doch die Lebensdienlichkeit unserer Marktwirtschaft ist im Laufe der zurückliegenden Jahre mehr und mehr unter die Räder geraten, unter die Räder der Globalisierung, unter die Räder transnationaler Verflechtungen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, genau in dieser Stunde, in der wir hier im "Schleibistro" beisammen sind, läuft in der Flensburger St.Nikolai-Kirche ein 1.Mai-Gottesdienst, in dem der Kollege Helmut Hartmann das biblische "Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg" liest und seine Gedanken dazu äußert. Das Skandalöse an dieser alten Geschichte ist, daß alle Arbeiter, jene, die den ganzen Tag geschuftet haben und jene, die nur eine Stunde tätig waren, denselben Lohn bekommen. Dabei geht es nicht um ein neues Verteilungsprinzip, auch nicht um eine neue Formel für Tarifverhandlungen. Natürlich hat der Mensch, der mehr oder länger arbeitet, Anspruch auf mehr Lohn. Die Pointe ist eine andere: Jene, die trotz aller Bemühungen keine Arbeit gefunden und daher stundenlang arbeitslos auf dem Markt herumgestanden haben, erhalten vom Chef des Weinbergs eben keinen Niedriglohn, sondern soviel, daß sie mit ihren mehrköpfigen Familien davon einen Tag gut leben können. Diese alte Ethik der Bibel ist hochaktuell in Zeiten, in denen eine wachsende Zahl von Familien trotz Vollerwerbsarbeit in Armut leben.
Der Mindestlohn ist das Mindeste...
Und damit bin ich schon beim Thema Mindestlohn. Wir haben uns da eindeutig positioniert. Der KDA sagt ja zum Mindestlohn, wohl wissend, daß ein Stundenlohn von 7,50€ brutto nur eine unterste Auffanglinie darstellen kann. Gute Arbeit ist solche Arbeit, die gerecht entlohnt wird. Ein gerechter Lohn darf kein Hunger- und kein Armutslohn sein. Familien müssen von dem, was der Vater, was die Mutter oder was beide Elternteile verdienen, leben und nicht nur überleben können. Wenn jemand einen anderen für sich arbeiten läßt, hat er die ethische Pflicht, ihn angemessen zu entlohnen. Je mehr Leih- von Zeitarbeit es gibt, desto mehr haben wir es mit sinkenden Lohnniveaus zu tun; desto mehr steigt die Unsicherheit für die Zukunft. Wie sollen junge Menschen den Mut finden zu Heirat und Familiengründung, wenn beide nur befristete Arbeitsverträge haben und nicht wissen, ob sie im Folgejahr vielleicht schon arbeitslos sind. Der sog. demographische Wandel und die viel beklagte Überalterung unserer Gesellschaft hat auch damit etwas zu tun, daß gut ausgebildete junge Erwachsene viel zu lange warten müssen, ehe sie verläßliche berufliche Perspektiven haben. Die Familiengründung wird dann zurückgestellt oder findet überhaupt nicht mehr statt. Wenn kleinere Unternehmen um's Überleben kämpfen, dann mögen Niedriglöhne vorübergehend eine Lösung darstellen. Aber auf keinen Fall sind sie geeignet als "Geschäftsmodell" zu dienen, das davon ausgeht, daß der Staat die Niedriglöhne aufstockt. Denn genau das bedeutet es ja: Der Staat und also die Steuerzahler subventionieren die Betriebe, die Dumpinglöhne zahlen. Das kann nicht sein.
Keine Balance zwischen Arbeit und Kapital
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist fatal, wenn der Staat sich immer mehr aus seiner ordnungspolitischen Verantwortung zurückzieht und beispielsweise die Steuern für großen Einkommen und Vermögen senkt in der Hoffnung auf wirtschaftliche Reinvestition: Auf diesem Weg verliert der Staat durch eigenes Verschulden zunehmend Handlungs- und Gestaltungsspielräume. Das ist verantwortungslos, denn der freie Markt reguliert in keiner Weise Angebot und Nachfrage. Das belegt eindrucksvoll der Energiemarkt. Die Kräfteverhältnisse sind nun einmal sehr unterschiedlich. Ein Arbeitnehmer, eine Arbeitsnehmerin hat in aller Regel nur die eigene Arbeitskraft. Da sie/er mit anderen Nachfragern nach Arbeit konkurriert, haben nur die Bestqualifizierten eine Chance, sich auf dem Arbeitsmarkt aus eigener Kraft durchzusetzen. Für alle anderen - und das ist die überwiegende Mehrheit – gilt die Konkurrenz nach unten. Wenn jemand für fünf oder sechs Euro nicht arbeiten will, findet sich schnell ein anderer, der dazu bereit ist. Selbstverständlich ist Bildung, Ausbildung, Weiterbildung der beste Weg, um auf dem Arbeitsmarkt eine angemessen bezahlte Arbeit zu finden. Mittlerweile arbeiten jedoch gutausgebildete Fachkräfte und sogar Akademiker im Niedriglohnbereich. Und wer einmal da unten angekommen ist, hat es schwer, sich da wieder herauszukämpfen. Kurzum: Ohne starke Gewerkschaften hat der einzelne Arbeitnehmer keine Chance, für eine angemessene Bezahlung erfolgreich zu streiten. Der Faktor Arbeit ist immer schwächer als der Faktor Kapital. Zwischen beiden Größen gibt es keine Balance. Der Segen der Tarifbindung und der Flächentarifverträge liegt ja gerade darin, daß der Lohn dem schwankenden Markt von Angebot und Nachfrage enthoben ist und der Arbeitnehmer somit eine gewisse Planungssicherheit hat.
Darum ist es gut, daß die Gewerkschaften für einen Mindestlohn streiten. Das ist auch deshalb wichtig und richtig, weil die Tarifbindung in vielen Branchen abnimmt. Wenn das anders wäre, wenn überall Tariftreue herrschte, brauchten wir keinen Mindestlohn. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. In 18 von 27 EU-Ländern gibt es einen Mindestlohn, in Großbritannien ist er ein großer Erfolg geworden, akzeptiert auch von den Arbeitgebern. Bloß in Deutschland wird mit ermüdender Beharrlichkeit die Befürchtung wiederholt, ein Mindestlohn würde Arbeitsplätze gefährden. Ja, welche denn? Statt 9 Euro gibt es dann nur noch 5€ oder - wie in einem sächsischen Gartenbaubetrieb - weniger als 3€. Ist das die Zukunft? Ist das die Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit? Ein Stundenlohn von 5.00 € - das ist kein Lohn, das ist ein Taschengeld. Das ist eine tiefe Kränkung für die Betreffenden. Und das ist eine Katastrophe, wenn es sich um den Familienernäher handelt. Wenn es ein Zusatzverdienst ist, dann mag es für die betroffene Frau und Mutter akzeptabel sein, besser 5 Euro als nichts, aber es paßt dennoch nicht. Gute Arbeit heißt auch gleicher Lohn für gleiche Arbeit und gleicher Lohn für Männer und Frauen.
Darum brauchen wir starke Gewerkschaften. Starke Gewerkschaften sind für unser Land ein nicht zu überschätzender Stabilitätsfaktor. Der soziale Friede in unserem Lande hat sich so lange erhalten, weil Arbeitgeber und Gewerkschaften zwei starke Partner sind. Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Niedriglöhne beschädigen auf Dauer die Menschenwürde nachhaltig. Dagegen müssen wir etwas tun.
Ein Blick in die Geschichte
Mitte der fünfziger Jahre hat sich die Evangelische Kirche in Deutschland nachdrücklich für die Einheitsgewerkschaft ausgesprochen. Das war nicht selbstverständlich, gab es doch jahrzehntelang Animositäten und viel Fremdheit zwischen Kirche und Gewerkschaft. Beide, Kirchen und Gewerkschaften, sind Anwälte der abhängig Beschäftigten, stehen an der Seite derer, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und auf Erwerbsarbeit angewiesen sind. In der Entschließung der EKD vom 15.Dezember 1955 heißt es:
"Die tätige Mitarbeit evangelischer Christen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist ein notwendiges Zeichen der gemeinsamen Verantwortung, die jeder Christ mit allen anderen Gliedern seines Standes und seines Volkes für die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit zu übernehmen hat. Die Zusammenarbeit in den bestehenden Gewerkschaften ist ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der Entfremdung, die in der Vergangenheit zwischen Kirche und Arbeiterschaft entstanden ist."
Damit hat sich die EKD vor mehr als 50 Jahren klar abgesetzt von den Christlichen Gewerkschaften, die es seit dem Ende des 19.Jahrhunderts gab. Ich erwähne das deshalb, weil Christliche Gewerkschaften in neuester Zeit wieder in höchst unrühmlicher Weise von sich reden machen. Kurz gesagt: Wo christlich draufsteht, ist nicht immer etwas Christliches drin. Es ist ein schlimmer Mißbrauchs des Etiketts "christlich", wenn Gewerkschaften gegründet oder wiederbelebt werden, die über keine nennenswerte Verankerung in der Arbeitnehmerschaft verfügen und sich als Pseudo-Gewerkschaften im wesentlichen darauf beschränken, den Arbeitgeberinteressen entgegenzukom- men und nicht – wie es ihre Aufgabe und Pflicht wäre - die Interessen der Beschäftigten wirkungsvoll zu vertreten.
Der 1.Mai, der Tag der Arbeit ist seit fast 120 Jahren der Fest- und Feiertag der europäischen Arbeitnehmerschaft. Dieser Tag wurde am Ende des 19. Jahrhunderts dem Kapital in mühsamen und blutigen Kämpfen abgetrotzt. Dies geschah gegen den erbitterten Widerstand der Fabrikherren, die nicht bereit waren, auf Heerscharen von Billigarbeitskräften zu verzichten. Sie fürchteten zu Recht die Wut der ausgebeuteten Arbeiter, die für ihre sozialen Rechte kämpften, damals ging es vor allem um den arbeitsfreien Sonntag und den Achtstundentag.
Gewerkschaft und Kirche - Seite an Seite im Kampf um das freie Wochenende
Im Kampf um die Erhaltung des freien Wochenendes stehen Kirche und Gewerkschaften Seite an Seite. Der Sonntag ist verfassungsrechtlich geschützt. Im Artikel 140 des GG heißt es: "Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt. "Niemand schreibt den Menschen vor, wie sie den Sonntag, um mich einmal darauf zu beschränken, gestalten sollen. Für den Sonntag soll gelten. Es ist der Tag, der uns gehört, der Tag der nicht vereinnahmt, nicht ökonomisiert und von bestimmten wirtschaftlichen Interessen dominiert werden darf. Für den Sonntag soll gelten: "Nichts müssen, aber alles dürfen." Wir haben diesen Ruhetag bitter nötig.. Sie kennen den Slogan: "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage." Das heißt ja auch: Ohne Fest- und Feiertage würde unser Leben an Farbe verlieren und an Lebensqualität.
Der DGB hat ein schönes Motto zum 1.Mai formuliert: Gute Arbeit muß drin sein! Ausrufezeiten. Was ist gute Arbeit? Was gute Arbeit ist, das entscheiden die Umstände: Die angemessene Entlohnung, das Betriebsklima, Bedingungen, die krankmachende Arbeit verhindern, die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, familienfreundliche Arbeits- zeiten, Engagement in der Ausbildung und natürlich Mitbestimmung. Mitbestimmte Arbeit ist gute Arbeit. Jede Arbeit kann gute Arbeit sein oder schlechte Arbeit. Es kommt auf verschiedene Faktoren an, auf materielle und immaterielle.
Gute Arbeit muß drin in unserer Gesellschaft, die noch immer eine wohlhabende Gesellschaft ist. Was gute Arbeit ist, das läßt sich messen. Die Gewerkschaften tun dies mit dem "Gute-Arbeit-Index". Gute Arbeit muß drin sein! - Ja, gute Arbeit ist drin!
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