Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Geschichte des KDA - nach 1952

4. Sozialpartner?

Auf solchem Hintergrund haben dann Evangelische Akademie und Arbeiterwerk gemeinsam die erste "Tagung für Sozialpartner" vorbereitet.
Ein ganzes Jahr dauerten die Vorverhandlungen, die wir mit den Partnern zunächst getrennt führten. Als dann der Termin der geplanten Tagung heranrückte, drohte sie schon vor Beginn zu platzen. Der große Verkehrsstreik in Hamburg war ausgebrochen und erhitzte die Gemüter. Schließlich gelang es uns doch, noch während des Streiks auf dem Hintergrund härtester sozialpolitischer Auseinandersetzung die Tagung einzuberufen und vom 13. - 15. September 1954 in der Grenzakademie Sankelmark bei Flensburg durchzuführen. Die aufgeladene Spannung wurde während der 2 Tage in Sankelmark in allen Diskussionen spürbar und drohte mehrfach sich explosiv zu entladen. Nur in einer kirchlich bestimmten Atmosphäre konnten diese Spannungen durchgetragen werden und – das vermerkten wir als positiv – sorgten für nie ermüdende, immer spannende Diskussionen und Gespräche.
Zurück blieb aber die Frage, die damals in vielen Verlautbarungen besonders von gewerkschaftlicher Seite häufig gestellt wurde: Ist die Rede von der Sozialpartnerschaft eine Illusion? Vernebelt sie nicht den wahren Charakter der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung als Klassenkampf? Hat nicht die Kirche in diese Verwirrung hinein mit ihrer Verkündigung von der neuen Partnerschaft Gottes mit den Menschen ein klärendes und richtungsweisendes Wort zu sagen?

5. Sozialsekretäre im Dienst von Arbeiterwerk und Evangelischer Akademie

Nicht nur in der Begegnung mit den Sozialpartnern wurde uns bewusst, wie wichtig für eine wirksame gesellschaftliche Diakonie der Konsensus, nicht zuletzt auch der theologische Zusammenklang von Akademie und Arbeiterwerk war.
Hier lag eine Aufgabe des Sozialpastors, der zwar lt. Beschluss der Kirchenleitung dem Arbeiterwerk der Männerarbeit zugeteilt war, der aber praktisch in beiden Bereichen tätig werden sollte und musste. Auch den ersten Sozialsekretären wuchsen entsprechende Aufgaben zu. Nicht nur die Soziallehrgänge des Arbeiterwerks, auch die Sozialtagungen der Evangelischen Akademie wurden mit ihrer Hilfe vorbereitet. Betriebsbesuche, die sie im Zusammenhang mit Veranstaltungen des Arbeiterwerks durchführten, kamen auch dem sozialen Dienst der Evangelischen Akademie zugute.